Amnesty Aktivist*innen vor dem Ortschild «Alligator Alcatraz»
Aktion für die Schliessung von «Alligator Alcatraz» in Florida, September 2025 © Alli McCracken
Offen
Urgent Action − USA

«Alligator Alcatraz» für immer schliessen!

Im Juli 2025 wurde in den Everglades im US-Bundesstaat Florida ein Abschiebegefängnis namens «Alligator Alcatraz» für Migrant*innen und Asylsuchende eröffnet. Die Einrichtung dient der gezielten und systematischen Entmenschlichung und Misshandlung: Es herrschen grausame und erniedrigende Bedingungen, darunter über-laufende Toilettenabflüsse, Fesselungen, die Verweigerung medizinischer Versorgung, Schlafentzug sowie Bestrafungspraktiken, die Folter darstellen. Der Gouverneur von Florida hat kürzlich angekündigt, die Einrichtung schliessen zu wollen, aber die US-Regierung besteht darauf, dass sie geöffnet bleibt.

Jetzt mitmachen

Setzen Sie sich für die Inhaftierten Personen im «Alligator Alcatraz» ein:
Senden Sie einen Appellbrief per PostE-Mail und tweeten/posten Sie in den sozialen Medien.

Mitmachen bis 31. August 2026

Briefvorlagen

Adressen

Governor of Florida Ron DeSantis
State of Florida
The Capitol, 400 S. Monroe St.
Tallahassee, Florida 32399, USA
E-Mail: GovernorRon.Desantis@eog.myflorida.com

Infos zu Social Media sowie zusätzliche Adressen finden Sie online.

Kopien an 

Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
Sulgeneckstrasse 19, Postfach 3259, 3001 Bern

Fax: 031 357 73 20
E-Mail: BernPA@state.gov /Bern-protocol@state.gov
X/Twitter: /USEmbassyBern /Facebook: /USBotschaftBern

Social Media Guide

Infos zu Social Media folgen

Hintergrund

Das als «Alligator Alcatraz» bekannte Abschiebegefängnis für Migrant*innen und Asylsuchende in den Everglades in Florida muss unverzüglich geschlossen werden!

Recherchen von Amnesty International haben ergeben, dass Menschen, die dort willkürlich inhaftiert sind, unter unmenschlichen und unhygienischen Bedingungen leben. Dazu gehören überlaufende Toiletten, aus denen Fäkalien in die Schlafbereiche sickern, ein eingeschränkter Zugang zu Duschen, fehlender Schutz vor Insekten, eine rund um die Uhr eingeschaltete Beleuchtung, minderwertiges Essen und schlechtes Wasser sowie ein Mangel an Privatsphäre, unter anderem durch direkt über den Toiletten angebrachte Kameras. Befragte berichteten, dass der Zugang zu medizinischer Versorgung unregelmässig oder unzureichend sei oder gänzlich verweigert werde, wodurch die Betroffenen in Gefahr sind – sowohl im Hinblick auf ihre körperliche als auch ihre psychische Gesundheit. Zudem würden Inhaftierte stets in Fesseln gelegt, sobald sie ihre käfigartigen Zellen verlas-sen. Andere Misshandlungen, denen die Inhaftierten ausgesetzt waren, kommen Folter gleich; dazu gehört unter anderem das Einsperren in die sogenannte «Box» – eine winzige Gitterkonstruktion, in die Menschen zur Bestrafung gesteckt werden. Dabei sind sie schutzlos den Witterungsbedingungen ausgesetzt, oft über Stunden hinweg und nahezu ohne Wasser, während ihre Hände und Füsse über spezielle Vorrichtungen am Boden fixiert sind.

Die Inhaftierung von Migrant*innen und Flüchtlingen ist grausam, unnötig und von Menschenrechtsverstössen gekennzeichnet. Die gewollte Grausamkeit dieser Einrichtung soll erreichen, dass Schutzsuchende und Migrant*innen kriminalisiert und in Angst und Schrecken versetzt werden.

«Alligator Alcatraz» ist eine menschenrechtliche Katastrophe. Der Gouverneur hat die Macht und die Verantwortung, das Leben und die Würde der Menschen in Florida zu schützen.

Das auch als «Alligator Alcatraz» bekannte Abschiebegefängnis wurde im Juli 2025 mit einer Kapazität für rund 3.000 Personen eröffnet. Die Anlage befindet sich in den Everglades, einem der empfindlichsten Ökosysteme Floridas. Im Mai 2026 gab es neue Berichte, denen zufolge die Einrichtung auf Anweisung des Gouverneurs von Florida, Ron DeSantis, im Juni oder Juli desselben Jahres geschlossen werden sollte. Angehörige der Bundesbehörden widersprachen dieser Ankündigung umgehend und erklärten, die Einrichtung werde geöffnet bleiben.

«Alligator Alcatraz» ist die erste Hafteinrichtung für Migrant*innen in den USA, die von einem Bundesstaat betrieben wird. Die Einrichtung unterliegt folglich keinerlei Aufsicht durch die Bundesbehörden. Sie ist zudem nicht in die Systeme oder Datenbanken der US-Einwanderungsbehörde ICE integriert. Das Fehlen von Registrierungs- oder Nachverfolgungssystemen für die in «Alligator Alcatraz» Inhaftierten begünstigt eine Haft ohne Kontakt zur Aussenwelt und kommt dem Verschwindenlassen gleich, wenn die Angehörigen keine Informationen zum Aufenthaltsort einer inhaftierten Person erhalten und dieser der Kontakt zu einem Rechtsbeistand verwehrt wird. Für die dort Inhaftierten ist der Zugang zu einem Rechtsbeistand und einem ordnungsgemässen Verfahren mit erheblichen Hürden verbunden.

Florida hat zwar eine Kostenerstattung aus den neuen Mitteln des Heimatschutzministeriums für Massnahmen zur Durchsetzung der Einwanderungsgesetze erwartet, aber bisher keine Erstattung erhalten und wird diese auch künftig nicht bekommen. «Alligator Alcatraz» schafft zudem einen gefährlichen Präzedenzfall, wie Bundesstaaten mit der US-Regierung zusammenarbeiten können, um noch mehr Masseninhaftierungen und -abschiebungen zu ermöglichen. Auch der Bundesstaat Florida hat Gesetze erlassen, die Migration kriminalisieren und diskriminierende Personenkontrollen (Racial Profiling) erlauben.

Bis Dezember 2025 hatte «Alligator Alcatraz» bereits staatliche Aufträge im Wert von mehr als 360 Millionen US-Dollar (etwa 312 Millionen Euro) vergeben; für die Zeit nach der vollständigen Inbetriebnahme wurden jährliche Kosten von rund 450 Millionen US-Dollar (etwa 390 Millionen Euro) veranschlagt. Die Mittel für Bau und Betrieb wurden auf Grundlage einer Entscheidung des Gouverneurs der Katastrophenschutzbehörde Florida Division of Emergency Management (FDEM) entzogen. Der Gouverneur griff dabei auf Befugnisse für Notfallmassnahmen zurück, die üblicherweise Naturkatastrophen vor-behalten sind. Amnesty International hat dokumentiert, dass die Regierung von Florida Mittel für wichtige Sozial- und Katastrophenschutzprogramme gekürzt und gleichzeitig frei verfügbare Gelder der FDEM für die Finanzierung von Bau und Betrieb von «Alligator Alcatraz» umgeleitet hat.

Die Inhaftierung von Migrant*innen und Flüchtlingen ist in den USA seit Langem problematisch, da sie mit Menschenrechtsverstössen und grausamen Bedingungen einhergeht. Doch die Regierung stellt weiterhin Mittel für eine Ausweitung der entsprechenden Infrastruktur bereit, ohne die Bedingungen zu verbessern. Mit Stand vom Mai 2026 befanden sich landesweit 60.000 Menschen in mehr als 100 Einrichtungen der Einwanderungs- und Zollbehörde (Immigration and Customs Enforcement – ICE) in Haft. Ziel der Trump-Regierung war es, im Jahr 2025 mindestens eine Million Menschen aus den USA abzuschieben. Daher wurden Menschen verstärkt verfolgt und inhaftiert, was zu Überbelegung und einer Verschlechterung der Haftbedingungen geführt hat. 2026 gab es bereits 19 Todesfälle in ICE-Gewahrsam. 2025 starben 31 Menschen in ICE-Gewahrsam – dies war die höchste Zahl an dokumentierten Todesfällen seit Jahrzehnten.

Die Inhaftierung im Rahmen von Einwanderungsverfahren ist nur unter aussergewöhnlichen Umständen zulässig. Die persönliche Freiheit jedes Einzelnen muss der Regelfall bleiben. Migrant*innen, Flüchtlinge und Asylsuchende müssen, wie jeder andere Mensch auch, von der Zugrundelegung des Rechts auf Freiheit profitieren. Folglich muss jeder Freiheitsentzug gesetzlich klar vorgeschrieben und strengstens durch einen legitimen Zweck gerechtfertigt sein, der notwendig, verhältnismässig und nicht diskriminierend ist. Eine Inhaftierung ist nur dann angemessen, wenn die Behörden im Einzelfall nachweisen können, dass sie notwendig und im Hinblick auf das angestrebte Ziel verhältnismässig ist, auf gesetzlich festgelegten Gründen beruht und keine wirksamen Alternativen vorhanden sind. Nach internationalen Standards werden nur wenige spezifische Zwecke als legitime Gründe für eine Inhaftierung anerkannt, darunter die Identitätsfeststellung sowie die Verhinderung des Untertauchens einer Person auf der Grundlage einer objektiven Bewertung des Fluchtrisikos.

Staaten sind verpflichtet sicherzustellen, dass die Haftbedingungen internationalen Menschenrechtsnormen und -standards entsprechen. Dazu gehört insbesondere, dass die Haftbedingungen menschenwürdig sind und die Menschenrechte der Inhaftierten geachtet werden. Dazu gehören auch der Schutz vor Folter sowie vor grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung, der Zugang zu medizinischer Versorgung und Bewegungsmöglichkeiten sowie die Möglichkeit, mit der Aussenwelt zu kommunizieren, darunter mit Konsulaten, Rechtsbeiständen und Angehörigen. ICE verfügt zudem über leistungsbezogene nationale Standards für Haftzentren, die den Zugang zu Rechtsbeiständen und Telefonen, saubere und sichere Haftbedingungen, Freizeitangebote, ausgewogene Mahlzeiten sowie medizinische Versorgung vorschreiben. Es ist jedoch unklar, ob in «Alligator Alcatraz» überhaupt irgendwelche Standards Anwendung finden.

Details

UA-Nummer:
Erscheinungsdatum | Aktualisiert am:
Index:
UA 070/25-1
05.06.2026 
AMR 51/1108/2026
Voraussichtlich mitmachen bis: 31. August 2026
Ganze Urgent Action (Word): deutsch
english
Nur der Modellbrief (Word): deutsch
english

Da sich eine Situation ändern kann, prüfen Sie bitte vor dem Versenden, ob die Briefaktion noch aktiv ist.

English version

Shut down «Alligator Alcatraz» for good

The Everglades Detention Facility, also known as «Alligator Alcatraz», opened in the state of Florida in July 2025 to detain migrants and asylum seekers. It has operated as a deliberate system dehumanization and abuse: there are cruel and degrading conditions there, including overflowing sewage, shackling, denial of medical care, sleep deprivation, and punishment practices that amount to torture. The Florida governor has recently announced his intention to close it down, but the federal government insists it will remain open. We demand Florida governor Ron DeSantis close «Alligator Alcatraz» immediately.

The Everglades Detention Facility, also known as «Alligator Alcatraz» opened in July 2025 with the capacity to detain around 3,000 people. The facility is located in the Everglades, a fragile ecosystem and one of Florida’s most ecologically sensitive areas. In May 2026, new reports announced that the facility would be closed in June or July of the same year at the behest of Florida governor Ron DeSantis. Feder-al officials quickly rebuked that announcement, claiming it would stay open.

«Alligator Alcatraz» is the first state-owned and operated immigration detention facility in the United States. Consequently, not only is there no federal oversight of the facility. It is also not integrated into ICE’s systems or databases. The absence of registration or tracking mechanisms for those detained at «Alligator Alcatraz» facilitates incommunicado detention and constitutes enforced disappearances when the whereabouts of a person being detained there is denied to their family, and they are not allowed to contact their lawyer. Individuals detained at the facility face barriers to accessing legal representation and due process protections.

While Florida was expecting reimbursement for the costs of the facility from DHS’s new influx of funds for immigration enforcement, yet the state has not and ultimately will not be reimbursed. «Alligator Alcatraz», also sets a dangerous precedent for how states can partner with the federal government to expand the reach of its mass detention and deportation machine. The State of Florida has also passed laws that criminalize migration and permit racial profiling.

As of December 2025, «Alligator Alcatraz» had already absorbed more than $360 million USD in state-issued contracts and was projected to require approximately $450 million USD annually to operate once it is fully functional. Funds for its construction and operation have been taken from the Florida Division of Emergency Management (FDEM) at the Governor’s discretion, under emergency procurement powers usually reserved for natural disasters. Amnesty International has documented that the Government of Florida cut resources from essential social and emergency management programs while also allocating discretionary funds from FDEM to finance the construction and operation of «Alligator Alcatraz».

Immigration detention has long been a problem in the United States, with a history of abuse and cruel conditions. Nevertheless, the US has continued to fund increased detention without improved conditions. As of May 2026, more than 60,000 individuals were detained by US Immigration and Customs Enforcement (ICE) in more than 100 facilities across the United States. Enhanced enforcement and detention as part of the Trump administration’s plans to remove at least one million individuals from the US in 2025 are resulting in overcrowding and deteriorating detention conditions. In 2026, there have al-ready been 19 deaths in ICE custody. Thirty-one individuals died in ICE custody in 2025 which was the highest number of recorded deaths in decades.

Immigration detention is only allowed in the most exceptional of circumstances. The enjoyment of per-sonal liberty must remain any individual’s default condition. Migrants, refugees, and asylum seekers, like anyone else, must benefit from a legal presumption of liberty. As a consequence, if they are subject to any deprivation of liberty, it must be clearly prescribed by law and strictly justified by a legitimate purpose that is necessary, proportionate, and non-discriminatory. Detention is only appropriate when authorities can demonstrate in each individual case that it is necessary and proportionate to the objective being achieved and on grounds prescribed by law and that alternatives would not be effective. A limited number of specific purposes are recognized as legitimate grounds for detention under international standards, including verifying identity and preventing a person from absconding following an objective assessment or flight risk.

States have an obligation to ensure that conditions of detention meet international human rights law and standards, notably that the conditions of detention are humane and the human rights of detained individuals are respected. This includes protection against torture, cruel, inhuman, or degrading treatment; access to medical care; exercise; and the ability to communicate with the outside world including consulates, attorneys, and family. ICE also has Performance Based National Detention Center Standards that require access to legal resources, telephone, clean and secure detention conditions, recreation time, nutritionally-balanced meals, and medical care, however it is unclear what standards, if any at all, are being used at «Alligator Alcatraz».

_
Please take action before 31 August 2026.

You'll find all necessary adddress- and social media information above. English model letter as a Word-file.