Kerzen und Rosenblätter an einer Gedenkveranstaltung für Opfer von Verschwindenlassen in Kolumbien.
Symbolisches Bild ohne direkten Kontext: Gedenkveranstaltung für Opfer von Verschwindenlassen in Kolumbien. © Amnesty International
Offen
Urgent Action − Kolumbien

Angriff auf Cleiner Almanza muss untersucht werden!

Am 8. Juni wurde Cleiner Almanza von Unbekannten in eine abgelegene Gegend von Cartagena gelockt. Dort wurde sie angegriffen, gefoltert und erlebte geschlechtsspezifische Gewalt. Sie wurde beinahe getötet. Cleiner Almanza sucht seit 1998 nach ihrem Bruder, der in der Region Montes de María im Norden Kolumbiens «verschwunden» ist. Als anerkannte Menschen- und Frauenrechtsverteidigerin wurde sie wegen ihres Engagements bereits mehrfach angegriffen und in ihren Rechten verletzt.

Jetzt mitmachen

Setzen Sie sich für Cleiner Almanza ein:
Senden Sie einen Appellbrief per PostE-Mail und tweeten/posten Sie in den sozialen Medien: X/Twitter.

Mitmachen bis 10. September 2026

Briefvorlagen

Adressen

Luz Adriana Camargo
Fiscal General
Fiscalía General de la Nación
Avenida Calle 24 No. 52 – 01
Bogotá D.C., Colombia

E-Mail: direccion.derechoshumanos@fiscalia.gov.co

Twitter/X: @FiscaliaCol

Kopien an 

Botschaft der Republik Kolumbien
Zieglerstrasse 29
3007 Bern

Fax: 031 350 14 09
E-Mail: esuiza@cancilleria.gov.co

Social Media Guide

Infos zu Social Media folgen

Hintergrund

Cleiner Almanza kommt aus der Region Montes de María in der kolumbianischen Karibik. Sie wurde am 8. Juni in Cartagena Opfer schwerer Gewalt: Sie wurde eingeschüchtert, gefoltert, war geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt und wurde beinahe getötet. Dieser Angriff erfolgte nur wenige Wochen nach der Ermordung von Claribel Moreno Castillo am 13. Mai in Jamundí im südwestlichen Valle del Cauca. Claribel Moreno Castillo hatte vier Jahre lang nach ihrer «verschwundenen» Tochter Natalia Buitrago gesucht.

Beide Frauen gehören zu den sogenannten Mujeres Buscadoras (Suchende Frauen). Mit diesem Begriff werden in ganz Lateinamerika Frauen bezeichnet, die nach ihren «verschwundenen» Angehörigen und Freund*innen suchen und sich oft in sogenannten Suchkollektiven zusammengeschlossen haben. Die Situation der Mujeres Buscadoras ist äusserst besorgniserregend. Hinter den Tausenden Verschwundenen stehen Angehörige, die nach ihnen suchen, die Wahrheit über die begangenen Verbrechen einfordern und für Gerechtigkeit, Wiedergutmachung sowie Garantien der Nichtwiederholung kämpfen. Amnesty International hat wiederholt betont, dass diese Suchenden als Menschenrechtsverteidiger*innen selbst erheblichen Risiken ausgesetzt sind – insbesondere durch Gewalt seitens der mutmasslich Verantwortlichen und anderer Akteure. Da die Mehrheit der Suchenden Frauen sind, sind sie zusätzlich einem unverhältnismässig hohen Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt.

Neben direkter Gewalt sehen sich Mujeres Buscadoras häufig auch mit mangelnder Sensibilität und unzureichendem Handeln der Behörden konfrontiert, wenn sie Schutz und die Wahrung ihrer Rechte einfordern. Als Reaktion darauf setzten sie sich erfolgreich für die Verabschiedung des Gesetzes 2364 von 2024 (Ley de Mujeres Buscadoras) ein, das sie als Menschenrechtsverteidiger*innen anerkennt und Schutzmassnahmen für sie vorsieht. Doch trotz öffentlicher Zusagen der Generalstaatsanwaltschaft, Angriffe auf die suchenden Frauen gründlich zu untersuchen, sind fast zwei Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes zentrale Verpflichtungen weiterhin nicht umgesetzt.

Das Verschwindenlassen ist in den Amerikas weit verbreitet und stellt seit Jahrzehnten – zunehmend seit den 1960er- und 1970er-Jahren – ein gravierendes Problem dar. Unabhängig von den jeweiligen Ursachen sind Staaten verpflichtet, nach den Betroffenen zu suchen. Solange ihr Verbleib ungeklärt ist, hat ihr Verschwinden schwerwiegende Folgen für die Angehörigen und ihr soziales Umfeld aus.

In Kolumbien ist das Verschwindenlassen eine von vielen Gewaltformen im Kontext des jahrzehntelangen bewaffneten Konflikts. Die Wahrheitskommission stellte in ihrem Abschlussbericht 2022 fest, dass zwischen 1985 und 2016 schätzungsweise 210.000 Menschen Opfer dieser schweren Menschenrechtsverletzung wurden. Zwischen Dezember 2016 und Juli 2024 dokumentierte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz weitere 1.730 Fälle im Zusammenhang mit bewaffneten Konflikten – rechnerisch eine Person alle 36 Stunden. Bis heute werden immer wieder neue Fälle gemeldet.

Frauen spielen eine zentrale Rolle bei der Suche nach den Verschwundenen sowie bei der Gründung und Leitung von Angehörigenorganisationen – sowohl in Kolumbien als auch in ganz Amerika. Wie die Amnesty Kampagne #SearchingWithoutFear zeigt, sind es häufig Mütter, Ehefrauen, Schwestern und Töchter, die die Hauptlast tragen und zugleich die Suche anführen. Sie machen die Verbrechen sichtbar und fordern konsequent Wahrheit und Gerechtigkeit ein. Der englischsprachige Amnesty Bericht Searching Without Fear: International Standards for Protecting Women Searchers in the Americas (Suchen ohne Angst: Internationale Standards für den Schutz von suchenden Frauen in den Amerikas) hebt hervor, dass Staaten verpflichtet sind, aktiv nach Verschwundenen zu suchen, dabei die Beteiligung der Angehörigen zu gewährleisten und insbesondere suchende Frauen zu schützen.

Der Bericht Transforming pain into rights: Risks, threats and attack on women searchers in Colombia (Schmerz in Rechte verwandeln: Risiken, Drohungen und Angriffe auf suchende Frauen in Kolumbien) dokumentiert die Realität dieser Frauen in Kolumbien und verdeutlicht die erheblichen Risiken, denen sie ausgesetzt sind. Dazu gehören Stigmatisierung, physische und häufig geschlechtsspezifische Gewalt, Belästigung und Drohungen, die sie in Einzelfällen sogar ins Exil zwingen. Viele geraten in wirtschaftliche Not, da die Suche Zeit, Ressourcen und oft den Verzicht auf Erwerbsarbeit erfordert, während sie gleichzeitig für ihre Familien sorgen müssen. Hinzu kommt weit verbreitete Straflosigkeit: Zahlreiche Ermittlungs- und Gerichtsverfahren zu Verschwindenlassen und zu Gewalt gegen suchende Frauen bleiben selbst nach vielen Jahren ohne Ergebnis. Diese massiven Hindernisse, mit denen die Mujeres Buscadoras bei ihrer Forderung nach Wahrheit und Gerechtigkeit konfrontiert sind, zeigen deutlich, wie wichtig es ist, dass die Gesellschaft diese Frauen anerkennt und die Behörden ihre Rechte respektieren und schützen.

Details

UA-Nummer:
Erscheinungsdatum | Aktualisiert am:
Index:
UA 063/26
10.06.2026
AMR 23/1133/2026
Voraussichtlich mitmachen bis: 10. September  2026
Ganze Urgent Action (Word): deutsch
english
Nur der Modellbrief (Word): deutsch
english
español

Da sich eine Situation ändern kann, prüfen Sie bitte vor dem Versenden, ob die Briefaktion noch aktiv ist.

English version

Attacks against women searchers must be investigated

On 8 June, Cleiner Almanza was coerced into meet with unknown individuals in an isolated area of Cartagena, where she was attacked, tortured, subjected to gender-based violence, and nearly killed. Cleiner is a woman searching for her brother, who was forcibly disappeared in 1998 in the Montes de María region, in northern Colombia. She is also a recognised human rights defender, particularly of women's rights, and has previously been attacked and her human rights violated because of her work. We call on the Attorney General’s Office to fulfil its commitment to women searchers by conducting a prompt, thorough, and effective investigation into the crimes committed against Cleiner Almanza.

Enforced disappearances are widespread in the Americas. It is a problem that has troubled the region for decades, since at least the 1960s and 1970s. While enforced disappearances are committed for different reasons, it is States’ duty to search the victims. Meanwhile, for as long as they are missing, their forced absence profoundly affects their family, loved ones, and communities.

In Colombia, enforced disappearance is one of many forms of violence affecting the country because of decades of armed conflict and socio-political violence. The Truth Commission, in its final report in 2022, stated that an estimated amount of 210,000 people were victims of this grave human rights violation between 1985 and 2016. Between December 2016 and July 2024, the International Committee of the Red Cross documented a further 1,730 cases of disappearance linked to the armed conflict and violence: one every 36 hours. New cases are denounced to the present.

Women have played a leading role in the search for victims of enforced disappearance and in the creation and leadership of organizations of relatives of victims of enforced disappearance across the Americas and in Colombia. As highlighted by Amnesty International’s campaign #SearchingWithoutFear, mothers, wives, sisters and daughters suffer the worst impacts of enforced disappearance while speaking out against it and making it visible, taking the lead in demanding the right to truth and justice. Amnesty International’s report Searching Without Fear: International Standards for Protecting Women Searchers in the Americas highlights the obligation of State’s to search for the victims of enforced disappearance, to allow the loved-ones, particularly women searchers, to participate of the search, and to protect the rights and safety of women searchers.

In Colombia, Amnesty International’s report Transforming pain into rights: Risks, threats and attack on women searchers in Colombia documents the reality experienced by the women who dedicate their lives to searching for the victims of enforced disappearance, and the need for society to recognize these women and for the authorities to respect and protect their rights, given the serious obstacles they face in demanding truth and justice. Women searchers suffer stigmatization; physical violence frequently associated with gender-based violence, harassment and threats, which in some cases forces them to flee the country and live in exile; impoverishment due to having to dedicate their lives to searching, which involves costs and difficulties for employment, as well as having to sustain their families; and impunity, one of the most serious of these affectations. Most of the legal procedures for enforced disappearance in the country, and the violence suffered by women searchers, continue to wait for justice after many years.

Colombian women searchers themselves advocated for a law recognizing their work and protecting them, Law 2364 of 2024. However, almost two years after the expedition of the law, many commitments remain unfulfilled. Colombia’s Attorney General’s office, however, announced its commitment with the women searchers a shortly after the law being enacted.

Between May and June 2026, two women searchers were seriously attacked in Colombia. In May 13, Claribel Moreno Castillo was murdered in Jamundí, Valle del Cauca (south-west Colombia), after dedicating four years of her life to the search of her daughter, Natalia Buitrago. Then, on June 8, Cleiner Almanza was coerced into meet unknown individuals in an isolated area of Cartagena, where she was attacked, tortured, subjected to gender-based violence, and nearly killed. Cleiner is a women searching for her brother, who was forcibly disappeared in 1998 in the Montes de María region, in northern Colombia. She is also a renowned human rights and women rights defender and has previously been attacked and her human rights violated because of her work.

_
Please take action before 10 September 2026.

You'll find all necessary adddress- and social media information above. English model letter as a Word-file.