Portrait von Jiand Baloch
Jiand Baloch © Privat
Offen
Urgent Action − Pakistan

Belutschischer Aktivist erneut spurlos verschwunden

Jiand Baloch, Aktivist und Vorsitzender einer Studierendenorganisation, wurde am 24. Juli 2026 gewaltsam aus seinem Haus verschleppt. Angehörige der Polizei bedrohten seine Familienangehörigen und griffen sie an. Sein Aufenthaltsort ist bis heute nicht bekannt. Dies ist bereits das dritte Mal, dass Polizeikräfte Jiand Baloch verschwinden lassen. Die pakistanischen Behörden müssen mitteilen, wo sie Jiand Baloch festhalten und ihn sofort freilassen.

Jetzt mitmachen

Setzen Sie sich für Jiand Baloch ein:
Senden Sie einen Appellbrief per PostE-Mail oder via X/Twitter.

Tweeten/posten Sie in den sozialen Medien zu dieser UA um die Aufmerksamkeit zu erhöhen.

Mitmachen bis 31. Januar 2027

Briefvorlagen

Adressen

Ministerpräsident von Belutschistan:
Chief Minister Sarfraz Bugti
Chief Minister Office
Zarghun Road
Quetta, Balochistan
PAKISTAN
E-Mail: cm@balochistan.gov.pk ; sarfaraz.bugti@gmail.com

 

Kopien an 

Minister of Interior, Syed Mohsin Raza Naqvi
Room #409, 4th Floor, R-Block
Pak Secretariat, Constitution Avenue, Red Zone
Islamabad
PAKISTAN
E-Mail: interior.secretary@interior.gov.pk ; info@interior.gov.pk

Botschaft von Pakistan
Bernastrasse 47
3005 Bern
Fax: 031 350 17 99
E-Mail: parepbern@gmail.com

Social Media Guide

Targets:

Chief Minister, Sarfraz Bugti:
X/Twitter (Chief Minister Office): @CMOBalochistan 
X/Twitter (Chief Minister): @PakSarfrazbugti
Facebook: https://www.facebook.com/Sarfrazbugtiofficial
Instagram: https://www.instagram.com/sarfrazbugti/

Interior Minister, Mohsin Naqvi
X/Twitter (Interior Minister's Office): @MOIofficialGoP
X/Twitter (Interior Minister): @MohsinnaqviC42
Instagram: https://www.instagram.com/mohsinnaqvicnn

Detained activist Jiand Baloch:
X/Twitter: @ChairmenBSO

 

Hashtags:
#ReleaseJiandBaloch
#EndEnforcedDisappearances

 

Suggested messages:

Message 1:
🚨 Urgent Action 🚨

Jiand Baloch has been forcibly disappeared for the third time.

His family has not been informed of his whereabouts.

@CMOBalochistan must urgently disclose where @ChairmenBSO is, ensure his safety, and grant him access to his family and lawyers.
 

Message 2:
🚨 Urgent Action 🚨  
Jiand Baloch, Chair of the Baloch Students Organization, was forcibly disappeared on 24 July in front of his two kids, parents and wife.

His family hasn’t heard from him since that day.

Authorities must immediately:

📍 Reveal his fate and whereabouts 
📍 Ensure his safe and immediate release 
 

Message 3:
Jiand Baloch was previously subjected to enforced disappearance in 2018, and again in 2024. Now, he has been taken for a third time.

@CMOBalochistan, his family deserves answers. Disclose his whereabouts NOW.
 

Message 4:
On 24 July, security personnel raided Jiand Baloch’s home during the night, assaulted family members, and took him.

@CMOBalochistan must immediately:

📍 Reveal his fate and whereabouts

📍 Ensure he is protected from torture and other ill-treatment

 
Grafik zum Herunterladen und Verwenden für die sozialen Medien:
1.) Jiand Baloch - Baloch student leader disappared in Pakistan: TAKE ACTION →
2.) Jiand Baloch - Baloch student leader disappared in Pakistan: TAKE ACTION →

Hintergrund

Jiand Baloch, der Vorsitzende der Vereinigung Studierender in der Provinz Belutschistan (Baloch Students Organizati-on – BSO), wurde in den frühen Morgenstunden des 24. Juli 2026 aus seinem Haus in Quetta verschleppt. Schon gegen Mitternacht waren Angehörige der Polizei zusammen mit weiteren Personen bei ihm zu Hause eingetroffen, als Jiand Baloch nicht anwesend war. Seine Eltern, seine Frau und seine beiden Kinder waren jedoch zu Hause. Nach Angaben seiner Frau drangen zehn Männer, die sich als Polizisten zu erkennen gaben, sowie vier Männer in Zivil gewaltsam in ihr Haus ein. Als sie erfuhren, dass Jiand Baloch nicht da war, begannen sie, das Haus zu durchsuchen, und richteten dabei Sachschaden an. Die Familie berichtete ausserdem, dass die Männer begannen, den Vater von Jiand Baloch körperlich anzugreifen, und drohten, seine Frau und seine Mutter mitzunehmen. Als Jiand Baloch nach Hause kam, wurde er vor dem Haus festgenommen. Es wurden keine Gründe für seine Festnahme genannt. Auch ist nicht bekannt, wohin er gebracht wurde.

Dies ist bereits das dritte Mal, dass Jiand Baloch Opfer des Verschwindenlassens geworden ist. Als friedlicher studentischer Aktivist, der sich für Belange von Studierenden und Familienangehörigen von Opfern des Verschwindenlassens einsetzt, war er wiederholt Repressalien ausgesetzt – nur, weil er seine Menschenrechte wahrnimmt. Die Behörden sind verpflichtet, dafür zu sorgen, dass niemand willkürlich festgenommen wird und dass alle Inhaftierten den Schutz erhalten, der in der pakistanischen Verfassung und den internationalen Menschenrechtsnormen festgeschrieben ist.

Dem Verschwindenlassen zum Opfer zu fallen, bedeutet, dass eine Person von Sicherheitskräften oder mit deren Billigung verschleppt wird, und die Behörden bestreiten oder verschweigen danach, was mit ihr geschehen ist. Opfer des Verschwindenlassens sind in grosser Gefahr, gefoltert oder misshandelt zu werden. Auch könnten ihnen andere Menschenrechtsverletzungen drohen.

Jiand Baloch ist Vorsitzender der Baloch Students Organization (BSO), einer Organisation, die sich für die Rechte der Studierenden in der Provinz Belutschistan einsetzt. Er ist 29 Jahre alt und hat zwei Kinder, eine zweijährige Tochter und einen dreijährigen Sohn.

Jiand Baloch wurde schon in der Vergangenheit wegen seines Engagements ins Visier genommen, fiel dem Verschwindenlassen zum Opfer und wurde auf eine Antiterrorliste gesetzt. Vor diesem Vorfall war er schon zweimal Opfer des Verschwindenlassens. Im November 2018 wurde der Student zusammen mit seinem Vater und seinem jüngeren Bruder verschleppt, ohne dass ihr Aufenthaltsort bekanntgegeben wurde. Er kehrte nach neun Monaten zurück, doch sein Bruder, der zum Zeitpunkt des Verschwindens 15 Jahre alt war, wurde wegen Verstössen gegen das Antiterrorgesetz von 1997 angeklagt und befindet sich weiterhin in Haft. Jiand Baloch wurde 2024 zum zweiten Mal Opfer des Verschwindenlassens, als er sich für die Protestbewegung «Baloch Raaji Muchi» (Baloch National Gathering) engagierte, gegen die die Behörden hart vorgingen. Einen Monat später wurde er freigelassen.

Im vergangenen Jahr wurde Jiand Baloch in eine Liste von Personen aufgenommen, die im Verdacht stehen, an «Terrorismus, Sektierertum oder Verbindungen zu verbotenen Organisationen» beteiligt zu sein und vom Staat überwacht werden. Dies hat sein Recht auf Freizügigkeit, auf Teilnahme an friedlichen Protesten und am öffentlichen Leben erheblich beeinträchtigt. Sein Personalausweis und sein Bankkonto wurden gesperrt, und er ist verpflichtet, sich regelmässig bei der Abteilung für Terrorismusbekämpfung (CTD) zu melden.

Zwar wurden die Belutsch*innen in Pakistan schon seit jeher diskriminiert und ausgegrenzt, doch hat sich das harte Vorgehen gegen belutschische Aktivist*innen seit 2025 verschärft, was zu Fällen von Verschwindenlassen und willkürlichen Inhaftierungen in der gesamten Provinz Belutschistan und darüber hinaus geführt hat.

Führende Vertreter*innen des Baloch Yakjehti Committee (BYC), einer friedlichen Basisbewegung, die sich für die Menschenrechte in Belutschistan einsetzt, werden immer wieder willkürlich festgenommen, während andere von der Polizei schikaniert werden. So wurde die BYC-Vorsitzende Mahrang Baloch am 22. Juni zusammen mit dem BYC-Mitglied Sibghat Ullah Shah Jee zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Vorwürfe, die gegen sie erhoben wurden, waren erfunden und stellten einen Zusammenhang zwischen ihnen und dem Tod eines Vertreters der Strafverfolgungsbehörden während der Proteste der Bewegung «Baloch Raaji Muchi» im Jahr 2024 her.

Auch Aktivist*innen, Anwält*innen und Journalist*innen, die sich gegen dieses harte Vorgehen aussprechen, geraten ins Visier. Im Januar 2026 wurden die Menschenrechtsanwältin Imaan Mazari und Hadi Ali Chattha wegen Social-Media-Beiträgen, in denen sie ihre Solidarität mit belutschischen Aktivist*innen zum Ausdruck gebracht hatten, zu Haftstrafen von 10 bzw. 17 Jahren verurteilt. Im Oktober 2025 wurden Dutzende belutschische Aktivist*innen, darunter Mitglieder des BYC, gemäss Abschnitt 11-EE des Antiterrorgesetzes auf eine Liste zur Beobachtung von «Terrorverdächtigen» gesetzt, wodurch das Recht auf Freiheit und Bewegungsfreiheit der Aktivist*innen erheblich eingeschränkt wurde.

Das Verschwindenlassen von Personen in Pakistan ist umfassend dokumentiert. Die staatliche Untersuchungskommission für Verschwindenlassen hat angegeben, bis November 2025 landesweit 10.718 Fälle untersucht zu haben. Die Organisation «Defence of Human Rights» (DHR) hat seit 2006 insgesamt 3.140 Fälle dokumentiert, von denen 1.362 Personen nach wie vor als Opfer des Verschwindenlassens gelten. Im Jahr 2025 wurden 60 weitere Fälle dokumentiert. Pakistan ist kein Unterzeichnerstaat des Internationalen Übereinkommens zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen und verfügt über kein Gesetz, das das Verschwindenlassen unter Strafe stellt. Amnesty International hat bereits zuvor dokumentiert, dass Angehörige von Verschwundenen häufig Schikanen, rechtswidrigen Inhaftierungen und staatlicher Überwachung ausgesetzt sind, insbesondere wenn sie sich öffentlich zu Wort melden und sich für die Rückkehr ihrer Familienangehörigen einsetzen.

_
Pakistan: Authorities must immediately release Baloch activists handed life sentences following secret trial (Amnesty Press Quote, 23 June 2026)
Pakistan: Inclusion of Baloch activists on terrorist watchlist an affront to human rights (Amnesty Press Quote, 23 October 2025)

Details

UA-Nummer:
Erscheinungsdatum | Aktualisiert am:
Index:
UA 079/26
31.07.2026 | -
ASA 33/1329/2026
Voraussichtlich mitmachen bis: 31. Januar 2027
Ganze Urgent Action (Word): deutsch
english
Nur der Modellbrief (Word): deutsch
english

Da sich eine Situation ändern kann, prüfen Sie bitte vor dem Versenden, ob die Briefaktion noch aktiv ist.

English version

Baloch activist forcibly disappeared again

Jiand Baloch, activist and chairperson of the Baloch Students Organization, was forcibly disappeared from his home on 24 July 2026. His family members were threatened and assaulted during the raid at his house. His whereabouts remain unknown. This is the third time Jiand has been forcibly disappeared, as part of a pattern targeting him for his peaceful activism. The Pakistani authorities must act promptly to provide information about Jiand Baloch’s fate and whereabouts and ensure his immediate and safe release.

Jiand is the chairperson of the Baloch Students Organization (BSO), a student organization campaigning on the rights of students in Balochistan province. Jiand has been active on the issue of enforced disappearances in Balochistan and works closely with families of the forcibly disappeared to campaign for their return. He is 29 years old and has two children, a two-year-old daughter and a three-year-old son.

Jiand Baloch was forcibly disappeared from his home in Quetta, in Balochistan province, around 1 AM on 24 July 2026. Law enforcement, along with other individuals, arrived at his house at around midnight when Jiand was not present while his parents, wife and two children were present. According to his wife, ten men identifying as law enforcement and four men in plain clothing forcibly entered their home. Upon learning that Jiand was not present, they started to search the house while causing damage to it. The family also reported that the men started to physically assault Jiand’s father and threatened to take his wife and mother. When Jiand arrived home, he was immediately taken from the gate of the house. No reasons were given for taking him nor was any information provided about where he was being taken. The police has refused to register a first information report regarding his disappearance.

Jiand has been targeted for his activism in the past, subjected to enforced disappearances and placed on an anti-terror watch list. He has been forcibly disappeared twice before this incident. In November 2018, he was forcibly disappeared along with his father and younger brother. He returned after nine months, however his brother, 15 years old at the time of the disappearance, was charged with cases under the Anti-Terrorism Act, 1997 and remains detained. Jiand was forcibly disappeared for a second time in 2024 while campaigning for the Baloch Raaji Muchi (Baloch National Gathering) as part of a crackdown on the gathering. He was released a month later.

Last year, Jiand was placed on the Fourth Schedule of the Anti-Terrorism Act, 1997, a national surveillance list of individuals suspected of involvement in «terrorism, sectarianism, or links to proscribed (banned) organizations». This has severely impacted his right to freedom of movement, participation in peaceful protests and public life. His national identity card and bank account have been blocked, and he is required to regularly report to the Counter-Terrorism Department (CTD).

While Baloch people have been historically discriminated against and marginalized in Pakistan, the crackdown on Baloch activists has intensified since 2025, resulting in enforced disappearances and arbitrary detentions across the province of Balochistan and beyond.

  • Leaders of the Baloch Yakjehti Committee (BYC), a peaceful grassroots civil rights movement advocating for human rights in Balochistan, have been subjected to arbitrary detention and others are subjected to harassment by the police.
    • BYC leader Mahrang Baloch, was sentenced to life imprisonment along with BYC member Sibghat Ullah Shah Jee on 22 June on trumped up charges linking them to the death of a law enforcement official during the Baloch Raaji Muchi in 2024.
  • Activists, lawyers and journalists speaking up against this crackdown are also being targeted.
    • In January 2026, human rights lawyer, Imaan Mazari and Hadi Ali Chattha were sentenced to 10 to 17 years of imprisonment for social media posts expressing solidarity with Baloch activists.
    • In October 2025, dozens of Baloch activists, including members of BYC, were placed under section 11-EE of the Anti-Terrorism Act, constituting a «terror watch list», severely curtailing the right to liberty and movement of the activists.

Enforced disappearances in Pakistan have been extensively documented. According to the government’s Commission of Inquiry on Enforced Disappearances, as of November 2025, the Commission had investigated 10,718 cases nationwide. The Defence of Human Rights (DHR) has documented 3,140 cases since 2006, of which 1,362 victims remain forcibly disappeared. It documented 60 additional cases in 2025. Pakistan is not a signatory to the International Convention for the Protection of All Persons from Enforced Disappearance and has no law criminalizing enforced disappearances. Amnesty International has previously documented that families of the disappeared are often subjected to harassment, unlawful detention and surveillance by the state, especially if they speak up and campaign for the return of their family members.

_
Please take action before 31 January 2027.

You'll find all necessary adddress- and social media information above. English model letter as a Word-file.