Inklusive Sprache Glossar der wichtigsten Begriffe bei Amnesty International, Schweizer Sektion

2. Mai 2021
Amnesty Schweiz verwendet eine inklusive Sprache, um die Vielfalt der Geschlechter zu berücksichtigen und sichtbar zu machen. Diese Sprache ist auch antirassistisch, inklusiv gegenüber Menschen mit Behinderungen, vermeidet Altersdiskriminierung (ageism) und generell Stereotype gegenüber Gruppen von Menschen.

Anbei finden Sie die wichtigsten Begriffe, die für eine diskriminierungssensible, inklusive Sprache wichtig sind. 
Und Sie finden Begriffe, die NICHT verwendet werden sollen, weil sie ausgrenzen, diskriminieren, diffamieren oder von Betroffenen aus anderen Gründen abgelehnt werden. Wo möglich und sinnvoll, erwähnen wir alternative Schreibweisen.

Grundsätzlich gilt:

  • Menschen sollen nicht auf einen Aspekt ihrer Persönlichkeit reduziert werden, weshalb die meisten Attribute adjektivisch und nicht als Bezeichnung verwendet werden sollen.
  • Alle haben das Recht, selbst zu entscheiden, wie sie benannt werden möchten. Dies sollte immer wieder neu mit betroffenen Personen geklärt werden und kann auch von den untenstehenden Erklärungen abweichen. Die Selbstbezeichnung einer Person ist dabei prioritär zu behandeln.
  • Die folgenden Ausführungen sind nicht abschliessend und können sich mit der Zeit verändern. Falls wichtige Lücken oder nötige Änderungen auffallen, ist eine diesbezügliche Meldung herzlich willkommen.

A
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
P
Q
R
S
T
U
V
W
X
Y
Z
A 

Ableism/ Ableismus/ Behindertenfeindlichkeit 
Benennt die Diskriminierung gegenüber Menschen mit einer Behinderung. Der Ableismus geht von einem physischen und psychischen Standard des Menschen aus, den eine behinderte Person nicht leisten kann.1  

B

Behinderter Mensch, Mensch mit Behinderung 
Am besten akzeptiert ist «Menschen mit Behinderungen» oder «Mensch mit Behinderung». «Beeinträchtigungen» wird nicht so gerne gehört. 2 Siehe dazu insbesondere auch leidmedien.de 

BPoC/ BiPoc 
BPoC (Black and People of Color) oder BIPoC (Black, Indigenous and People of Color): Diese oft verwendeten Begriffe bezeichnen jene Menschen und Gruppen, die vielfältigen Formen von Rassismus ausgesetzt sind und damit eine gemeinsame Erfahrung teilen. 

C

cis Person/ cisgender 
Person, bei der die Geschlechtsidentität mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt. Der Begriff wird zur Abgrenzung gegenüber dem Begriff trans Person verwendet.4

Dunkelhäutig / Dunkelhäutige*r 
Viele Menschen verwenden den Begriff «dunkelhäutig» als Ersatz für Schwarze Menschen oder gar für das N-Wort. Der Begriff dunkelhäutig wird von den meisten People of Color abgelehnt.

F

Farbige/farbig 
«Farbige»/ «farbig» ist ein kolonialistischer Begriff, negativ konnotiert und wird daher zumeist abgelehnt. «Der Begriff suggeriert, dass es ein unsichtbares, unausgesprochenes weisses «Wir» gibt, welches «normal» sei und daher nicht benannt werden muss.5  

Geistige Behinderung 
Der Begriff «geistige Behinderung» ist momentan umstritten. Vielen gilt er nach wie vor als neutrale Bezeichnung für Menschen, die grosse Probleme mit dem Lernen und Schwierigkeiten haben, abstrakte Dinge schnell zu verstehen. Viele der so bezeichneten Menschen aber lehnen den Begriff «geistige Behinderung» ab und nennen sich lieber Mensch mit Lernschwierigkeiten. Mehr dazu: https://leidmedien.de/begriffe/ 

Gender 
Der aus dem Englischen stammende Begriff steht für soziales Geschlecht. Im Gegensatz zum biologischen Geschlecht (engl.: sex) sind mit sozialem Geschlecht die gesellschaftlich, sozial und kulturell konstituierten Geschlechterrollen von Frauen und Männern, die gesellschaftlich dominanten Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit gemeint. Betont wird damit, dass Vorstellungen über «typisch weibliche» oder «typisch männliche» Aufgaben und Rollen nicht naturgegeben sind, sondern auf kulturellen Traditionen und gesellschaftlichen Konventionen beruhen.6 

Geschlechtergerechte Sprache
Im deutschen Sprachraum wird nach wie vor das sogenannte generischen Maskulinum, also die männliche Form, angewandt. Damit erfährt jedoch die Mehrheit der Menschen keine explizite sprachliche Erwähnung. Zur Benennung von Frauen wurden schriftliche Variationen, wie das Binnen-I, eingeführt. Mit dem Unterstrich (auch Gender-Gap genannt), dem Asterisk (auch Gender-Sternchen genannt) oder dem Doppelpunkt werden auch nicht-binäre Personen berücksichtigt. Amnesty Schweiz nutzt den Asterisk. Mehr dazu

H

Heteronormativität
Der Begriff beschreibt eine Weltanschauung oder gesellschaftliche Ordnung, die davon ausgeht, dass es nur zwei Geschlechter (Binarität) gibt. Die Kategorien männlich und weiblich werden als «naturgegeben» betrachtet; oft geht damit die Vorstellung einher, dass männliche und weibliche Wesen nicht nur biologisch, sondern auch psychisch unterschiedlich sind und sogar unterschiedliche Aufgaben in der Gesellschaft haben. Ausserdem gilt in dieser Vorstellung zumeist Heterosexualität als die vermeintlich "natürliche" oder "normale" Form der Sexualität. Abweichungen von der Heteronorm unterliegen nicht selten einem Legitimationszwang und können mit gesellschaftlichen Sanktionen einhergehen.

I

Indianer*in  
Dieser Begriff soll nicht verwendet werden. Die deutsche Bezeichnung «Indianer» geht auf das spanische Wort «Indio» zurück, einen Neologismus aus der Kolonialzeit. Eingeborene* r, Ureinwohner*in sind kein Ersatz. 
 
Die Selbstbezeichnung ist je nach Zugehörigkeit verschieden. Also z.B. Sioux, Kaota, Okanagan, Inuit. «Pueblos Originarios» wird in Lateinamerika gebraucht. In Kanada wird der Begriff «First Nation» und den U.S.A der Begriff «Native Americans» verwendet. Im Deutschen kann eine der genannten Bezeichnungen gewählt werden – also in Englisch oder Spanisch.7 Es muss berücksichtigt werden, dass es je nach Kontext unangebracht ist, alle unter einen Hut zu packen, umso wichtiger die einzelnen Selbstbezeichnungen zu recherchieren, wo angebracht und möglich. 

Inter / Intergeschlechtlichkeit
Intergeschlechtliche Menschen haben von Geburt an einen Körper, der nicht der gängigen medizinischen Norm von «männlich» oder «weiblich» entspricht. Diese Variationen der Geschlechtsmerkmale können auf der anatomischen, chromosomalen oder hormonellen Ebene auftreten und sind gesunde Ausprägungen geschlechtlicher Vielfalt. Die Körper von inter* Menschen sind sehr unterschiedlich. Inter* Variationen können nicht nur bei der Geburt, sondern zu jedem Zeitpunkt im Leben sichtbar werden. Viele Inter* wissen nicht, dass sie selbst Inter* sind. Quelle: trans-inter-beratungsstelle.de/

Intersexualität wird als Begriff von den inter Menschen zumeist abgelehnt, da er einen falschen Bezug auf die Sexualität macht und pathologisierend ist.
Der Begriff wird durch  Intergeschlechtlichkeit ersetzt.

Intersektionalität
Intersektionelle Diskriminierung liegt vor, wenn eine Person gleichzeitig von unterschiedlichen Diskriminierungsformen betroffen ist. Dabei lassen sich die  Formen der Unterdrückung und Benachteiligung nicht additiv aneinander reihen, sondern führen zu eigenständigen Diskriminierungserfahrungen und sind in ihren Verschränkungen und Wechselwirkungen zu betrachten. Mehr dazu

invalid, Invalide 
Das Wort invalid, Invalide*r ist diskriminierend, entwürdigend und somit nicht zu verwenden. «Beeinträchtigungen» wird nicht so gerne gehört.8 Auch der Begriff «Handicap» (gehandicapped) wird nicht empfohlen.
 Am besten akzeptiert ist «Menschen mit Behinderungen» oder «Mensch mit Behinderung». Oder man sagt, «Menschen, die be.hindert werden» um zu verdeutlichen, dass die Behinderung, vor allem von aussen erfolgt.   

L

LGBTI*, auch LGBTIQ, LGBTQIA, LGBTI+

LGBTI* sowie die weiteren häufig verwendeten Fomen, sind eine aus dem englischen Sprachraum übernommene Abkürzung. Die einzelnen Buchstaben stehen für
L für Lesbian (bezieht sich auf homosexuelle Frauen)
G für Gay (bezieht sich im Allgemeinen auf homosexuelle Männer)
B für Bisexuell*e (bezieht sich auf eine Person, die sich zu beiden Geschlechtern hingezogen fühlt)
T für trans* (bezieht sich auf trans-identifizierte Menschen), siehe hier
Q für queer, siehe hier
I für Inter (bezieht sich auf eine inter Person)
A für asexuell (bezieht sich auf Menschen, die wenig oder keine sexuelle Anziehung erleben)

Das Sternchen oder auch das + steht für alle anderen Menschen, die sich mit keinem dieser Buchstaben identifizieren. 

N

non-binär (non-Binary, genderqueer) 
Wenn Menschen sich nicht oder nur teilweise in den Kategorien «Frau» oder «Mann» repräsentiert sehen, wird das auch «nicht binäres Geschlecht» oder «genderqueer» genannt. Die Begriffe fassen verschiedene Ausprägungen und Identitäten zusammen, beispielsweise «genderfluid» (das Geschlechtsempfinden ist fliessend und verändert sich immer wieder), «agender» (jemand fühlt sich ohne Geschlecht), «bigender» (jemand fühlt sich zweigeschlechtlich) u.v.a.m. 9

P

Person of Color / People of Color /Menschen of Color 
Menschen, die von Rassismus betroffen sind, bezeichnen sich selbst häufig als Person of Color (PoC). Im Deutschen gibt es derzeit keine Übersetzung für den Begriff PoC. Als Möglichkeit wird hier «Menschen of Color» verwendet. Wenn es konkret um den Kontext von Rassismuserfahrung geht, funktionieren auch die Begriffe «Menschen mit Rassismuserfahrung» und Menschen ohne Rassismuserfahrung» oder «Von Rassismus betroffene Menschen».  

Q

queer  
Das Adjektiv queer bezeichnet Personen, Handlungen oder Dinge, die durch den Ausdruck einer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität von der gesellschaftlichen Cisgender-Heteronormativität abweichen. Früher wurde die Bezeichnung queer im Sinne von «sonderbar, eigenartig, suspekt» verwendet, um Homosexuelle abzuwerten (Homophobie). Heute wird der Begriff sehr vielfältig verwendet, auch als Selbstbezeichnung von Menschen, die ihre Identität als ‚ausserhalb der gesellschaftlichen Norm‘ ansehen. Queer sollte von Personen, die selbst nicht queer sind, nicht verwendet werden. Wenn es verwendet wird, dann adjektivisch: Eine queere Person, eine Person, die queer ist.  

R

«Rasse» 
Der Begriff «Rasse» ist mit einem biologistischen Konzept verbunden. Biologisch unterschiedliche «Menschenrassen» aufgrund von äusseren Merkmalen herzuleiten, entsagt jeglicher wissenschaftlichen Basis. Der Begriff steht für eine lange Geschichte rassistischer Vernichtung und Gewalt. Die Konstruktion von Rassen und die Rassenideologie hat diese Gewalt legitimiert hat. Es war also kein einfacher Irrglaube, sondern Teil einer Agenda.
 Wir verwenden den Begriff nicht. (Mehr zum Begriff heute) 


Rassismus 
Rassismus ist der Prozess, in dem Menschen aufgrund tatsächlicher oder vermeintlicher körperlicher oder kultureller Merkmale (z. B. Hautfarbe, Herkunft, Sprache, Religion) als homogene Gruppen konstruiert, hierarchisierend bewertet und ausgegrenzt werden.  Rassismus ist die Summe aller Verhaltensweisen, Gesetze, Bestimmungen und Anschauungen, die den Prozess der Hierarchisierung und Ausgrenzung unterstützen. Sie beruhen auf ungleichen Machverhältnissen.  
Der klassische (traditionelle) Rassismus behauptet eine Ungleichheit und Ungleichwertigkeit von Menschengruppen auf Grundlage angeblicher biologischer Unterschiede (siehe Biologismus und «Rasse»)10.  
Im kulturellen Rassismus wird die Ungleichheit und Ungleichwertigkeit mit angeblichen Unterschieden zwischen «Kulturen» zu begründen versucht. 
Bei institutionellem oder auch strukturellem Rassismus geht es um Rassismus in den Strukturen, Institutionen, Normen und Entscheidungsabläufen der Gesellschaft – unabhängig davon, ob er beabsichtigt ist oder nicht. 

Rassifizierung (abgeleitet von Race)  
Bezeichnet einen Prozess und eine Struktur, in denen Menschen nach rassistischen Merkmalen (Aussehen, Lebensformen oder imaginäre Merkmale) kategorisiert, stereotypisiert und hierarchisiert werden. In diesem Prozess wird ein rassifiziertes Wissen erstellt und die Struktur beruht auf diesem Wissen.  

Roma 
Die Durchsetzung der Eigenbezeichnung Sinti und Roma im öffentlichen Diskurs war von Anfang an ein zentrales Anliegen der Bürgerrechtsbewegung, die sich vor allem seit Ende der Siebzigerjahre formierte.  

Schwarze Menschen 
Schwarze Menschen ist eine Selbstbezeichnung und beschreibt eine von Rassismus betroffene gesellschaftliche Position in der Gesellschaft. Schwarz wird grossgeschrieben, um zu verdeutlichen, dass es sich um ein konstruiertes Zuordnungsmuster handelt und keine reelle' Eigenschaft', die auf die Farbe der Haut zurückzuführen ist.  

Schwarzafrika, Schwarzafrikaner*in 
Als Schwarzafrika wird oftmals der Teil des afrikanischen Kontinents südlich der Sahara bezeichnet.11 Wir verwenden weder den Begriff «Schwarzafrika» noch den Begriff «schwarzen Kontinent».   

Sinti
Sinti ist die Bezeichnung für Nachfahren der Romagruppen, die bereits seit dem 15. Jahrhundert in den deutschsprachigen Raum eingewandert sind. Sie wird nur in Deutschland, Österreich und Teilen Norditaliens verwendet. Der weibliche Singular ist Sintiza (Plural Sintize), der männliche Singular ist Sinto (Plural Sinti).12 

taub/taubstumm
Die Bezeichnung «taub» wird zwar von einigen gehörlosen Menschen verwendet, besser ist jedoch der Begriff gehörlos. Der Begriff «taub-stumm» sollte als Fremdbezeichnung jedoch nicht verwendet werden, da auch Menschen mit Hörbehinderung sprechen, etwa in Gebärdensprache.

trans Menschen, transgender 
Als transgender oder trans bezeichnet man Personen, die sich nicht - oder nicht nur - mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Trans oder transgender wird dabei klein geschrieben und als Adjektiv verwendet. «Transsexuelle» ist nicht zu verwenden, da der Begriff irreführend und pathologisierend ist und die Endung -sexuell suggeriert, dass es sich um eine Frage der Sexualität und nicht der Geschlechtsidentität handle. Der Begriff wird von der Community abgelehnt. Mehr dazu : https://www.tgns.ch/de/information/ 

weiss/weisse Menschen 
weiss wird kursiv geschrieben, um die Konstruktion des Begriffs hervorzuheben. Er bezeichnet keine biologische Eigenschaft, sondern eine politische und soziale Position, die mit Privilegien und Dominanz verbunden ist. Zusätzlich dazu, dass der Begriff überhaupt verwendet wird, dient die Schreibweise ebenfalls dazu, die Normalisierung aufzuheben. 

Zigeuner*in  
Das Z-Wort ist eine von Klischees überlagerte Fremdbezeichnung der Mehrheitsgesellschaft, die von den meisten Angehörigen als diskriminierend abgelehnt wird und nie eine Selbstbezeichnung war.
 Die Selbstbezeichnung ist Sinti, Roma, Jenische.13 

1 leidmedien.de 

2 gemäss myhandicap.ch

3 https://www.transwelcome.ch/de/informationen/glossar/

4 Quelle: Bla.sh Glossar

5 Bla.sh, Glossar

6 https://www.ida-nrw.de/service-navigation/glossar

7 Blash Glossar

8 myhandicap.ch

9 https://www.transwelcome.ch/de/informationen/glossar/

10 https://www.ida-nrw.de/service-navigation/glossar

11 Bla.sh Glossar, gestützt auf: Tupoka Ogette, 2018: exit racism und Noah Sow, 2015: Wie Rassismus aus Wörtern spricht von Susan Arndt, Nadja Ofuatey-Alazard (Hg.)

12 Quelle: https://www.amnesty.at/themen/rassismus/glossar-fuer-diskriminierungssensible-sprache

13 Bla.sh- Glossar