Eine Frau steht mit einem Amnesty-Plakat, auf welchem in holländisch "Stoppt die Exekutionen" (stop executies) steht, vor der Botschaft
Aktion gegen die Todesstrafe und Hinrichtungen vor den Botschaften von Saudi-Arabien, China und Iran. © Pierre Crom
Saudi-Arabien: Bereits fast 100 Hinrichtungen dieses Jahr

Rechtswidrige Urteile, unfaire Verfahren

Die saudischen Behörden haben in diesem Jahr bisher 96 Menschen hingerichtet, viele Hingerichteten wurden wegen Drogendelikten verurteilt. Betroffen sind vor allem ausländische Staatsangehörige.

«Das Jahr ist erst zur Hälfte vorbei, und Saudi-Arabien hat bereits fast 100 Menschen hingerichtet – ein düsterer Meilenstein, der den skrupellosen und rechtswidrigen Einsatz der Todesstrafe durch die Behörden offenbart», erklärt Dana Ahmed, Nahost-Expertin bei Amnesty International

Von den zwischen dem 1. Januar und dem 22. Juni 2026 hingerichteten wurden mindestens 61 wegen Drogendelikten verurteilt, so zum Beispiel wegen Haschisch-Schmuggel. «Saudi-Arabien richtet weiterhin Menschen für Drogendelikte hin, die nach internationalem Recht und internationalen Standards niemals mit dem Tod bestraft werden dürften", so Dana Ahmed.

Hinrichtungen 2026 in Saudi-Arabien im ersten Halbjahr

  • Im Jahr 2026 bisher Hingerichtete

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  • Anzahl ausländische Staatsangehörige unter den Hingerichteten

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  • Wegen Drogendelikten verurteilt und hingerichtet

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Unter den Hingerichteten waren 39 ausländische Staatsangehörige, unter anderem aus Äthiopien (7), Pakistan (7), dem Sudan (5), Jordanien (4) und Syrien (3). Zweiundzwanzig waren saudische Staatsangehörige.

Saudi-Arabien gehört nach wie vor zu den Ländern mit den meisten Hinrichtungen weltweit. Amnesty International verzeichnete allein im Jahr 2025 mindestens 356 Hinrichtungen, was einer Verdopplung der entsprechenden Zahl für das Jahr 2024 (122) entspricht.

Zwischen Januar 2014 und Juni 2026 haben die Behörden somit 2084 Menschen hingerichtet. Ausländische Staatsangehörige waren davon überproportional betroffen; auf sie entfielen 75 Prozent der Hinrichtungen wegen Drogendelikten im Jahr 2024 und 78 Prozent im Jahr 2025.

«Ausländische Staatsangehörige sind am stärksten von der rücksichtslosen Anwendung der Todesstrafe bei Drogendelikten betroffen.»

Dana Ahmed
Nahost-Expertin bei Amnesty International

«Ausländische Staatsangehörige sind am stärksten von der rücksichtslosen Anwendung der Todesstrafe durch Saudi-Arabien bei Drogendelikten betroffen, häufig nach grob unfairen Gerichtsverfahren», ergänzt Dana Ahmed von Amnesty International.

Globaler Trend der repressiven Drogenpolitik

Es ist beunruhigend, dass mindestens 63 äthiopische Staatsangehörige möglicherweise unmittelbar von der Hinrichtung bedroht sind – und zwar ausschliesslich wegen Drogendelikten. Die Sorge um ihr Leben hat sich verstärkt, nachdem Anfang dieses Jahres bereits sieben Äthiopier hingerichtet wurden – alle wegen Haschisch-Schmuggels.

Die Hinrichtungswelle in Saudi-Arabien spiegelt einen gefährlichen globalen Trend wider, bei dem eine repressive Drogenpolitik zunehmend zur Anwendung der Todesstrafe führt. Die internationale Gemeinschaft muss sich unmissverständlich gegen diese rechtswidrigen Hinrichtungen aussprechen, und Saudi-Arabien muss unverzüglich ein Moratorium für die Anwendung dieser grausamen und unumkehrbaren Strafe verhängen – als ersten entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Abschaffung.