Eine Amnesty-Aktivistin nimmt am Briefmarathon in Bern teil. © Susanne Keller
Eine Amnesty-Aktivistin nimmt am Briefmarathon in Bern teil. © Susanne Keller

Briefmarathon – Tag der Menschenrechte am 10. Dezember Millionen von Briefen

6. März 2016
Auch 2015 war der jährlich stattfindende Briefmarathon wieder ein Riesenerfolg – auch in der Schweiz! Weltweit kamen drei Millionen Briefe zusammen, in der Schweiz allein wurden 20'000 persönlich unterschriebene Briefe für sexuelle und reproduktive Rechte verfasst. Der nächste Briefmarathon kommt bestimmt – sind Sie auch dabei?

In den Wochen um den 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, führt Amnesty International den weltweiten Briefmarathon durch – auch in der Schweiz. Jedes Jahr schreiben zahllose Menschen auf der ganzen Welt Hunderttausende von Briefen für Gewissensgefangene und Personen, die aufgrund ihres Engagements für die Menschenrechte in Gefahr sind.

Mit dem Briefmarathon erinnert Amnesty International an den 10. Dezember 1948, als die Generalversammlung der Uno die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet hat. Die Erklärung verankert zentrale Menschenrechte wie das Recht auf freie Meinungsäusserung oder das Folterverbot. Sie stellt damit eine wichtige Grundlage für Rechtsstaat und Demokratie dar.

...eine Idee

Am 10. Dezember 2001 führte eine Lokalgruppe der polnischen Sektion von Amnesty International in Warschau einen sogenannten «Briefmarathon» durch. Die Teilnehmenden trafen sich während 24 Stunden, schrieben 1000 Briefe zugunsten ausgewählter Gewissensgefangener und schickten sie an die Regierungen der betreffenden Länder. Die Aktion war ein grosser Erfolg. Zwei Jahre später wurde die Idee von Amnesty-Sektionen auf der ganzen Welt aufgenommen. 2014 haben Mitglieder und SympathisantInnen von Amnesty in über 140 Ländern am Briefmarathon teilgenommen und während rund zwei Wochen über 2 Millionen Briefe, Mails, Faxe und Solidaritätsbotschaften geschrieben. Davon kamen über 30'000 aus der Schweiz.

...ihre Ziele

Ziel des Briefmarathons ist es, in einer konzertierten Aktion weltweit möglichst viele Menschen dafür zu gewinnen, Briefe zu schreiben – Briefe an diejenigen Regierungen, welche verantwortlich sind für die unrechtmässige Inhaftierung, die Folter und Misshandlung oder eine sonstige Gefährdung von Personen, die sich friedlich für ihre Überzeugungen und/oder die Gewährleistung der Menschenrechte in ihrem Land eingesetzt haben. Deren Schicksal gewinnt dadurch eine relative Öffentlichkeit, und der Druck auf die Regierungen steigt. Die Briefe sind gleichzeitig für die Betroffenen und ihre Angehörigen auch ein Zeichen der Solidarität, ein Signal gegen das Vergessen. Amnesty kann für die Einrichtung von Standaktionen und Schreibstuben auf die Unterstützung zahlreicher Schulklassen, Jugendgruppen und Kirchgemeinden zählen.

...und ihr Erfolg

Die Briefaktionen von Amnesty International sind eine effiziente Massnahme, um das Leben gefährdeter MenschenrechtsverteidigerInnen zu schützen. Der geballte Versand von Briefen, E-Mails, SMS- und Fax-Mitteilungen an die verantwortlichen Regierungen zeigt oft Wirkung und verbessert die Situation der Betroffenen: Gewissensgefangene werden freigelassen, Todesurteile in Haftstrafen umgewandelt oder die Haftbedingungen verbessern sich:

  • 2014 wurden zwei russische Demonstranten und der bekannte weissrussische Menschenrechtsaktivist Ales Bialiatski freigelassen.
  • 2015 leitete Norwegen die rechtliche Anerkennung von Transgender-Menschen ein, und der in einem unfairen Prozess zum Tode verurteilte junge Nigerianer Moses Akatugba kam nach dem Briefmarathon frei: «Als ich keine Hoffnung mehr hatte, änderte sich meine Situation durch den Briefmarathon. Der Gouverneur begnadigte mich, und die Nachrichten, die ich bekam, überwältigten mich. Ich schöpfte neue Hoffnung.» 
  • Ende Dezember 2015 beschloss das griechische Parlament die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Im Briefmarathon 2015 hatte sich Amnesty gegen Hassverbrechen an LGBTI und ihre rechtliche Besserstellung eingesetzt.
  • Ende Februar 2016 erklärte der Justizminister Burkina Fasos den Kampf gegen Zwangsheiraten zur nationalen Priorität und kündigte konkrete Massnahmen an. So soll das Heiratsmindestalter auf 18 Jahre festgeschrieben und der Tatbestand der Zwangsverheiratung in Strafgesetz verankert werden.
    Weitere Informationen hierzu (in Französisch)
  • Am 23. Februar 2016 ist in den USA Alfred Woodfox nach 40 Jahren Isolationshaft endlich freigelassen worden. Auch für ihn hatte Amnesty sich im Rahmen des Briefmarathons eingesetzt. 
  • In der Demokratischen Republik Kongo sind Ende August 2016 vier Aktivisten aus der Haft entlassen worden, darunter Fred Bauma und Yves Makwambala. Amnesty International hatte sich unter anderem im Rahmen des Briefmarathons 2015 für die Freilassung der beiden Männer eingesetzt und weltweit mehr als 170'000 Appelle gesammelt.