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| Mitmachen bis 30. Oktober 2026 |
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Europa: CHF 1.90
Übrige Länder: CHF 2.50
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Adressen
President of the Republic Kais Saied
(Route de la Goulette, Site archéologique de Carthage, Tunisie)
Beste Möglichkeiten, die Zielperson zu erreichen:
E-Mail: contact@carthage.tn
Twitter/X: @TnPresidency
Facebook: https://www.facebook.com/Presidence.tn/
KOPIEN AN
Minister of Justice
Leila Jaffel
E-Mail: info@e-justice.tn
Fax: +216 71 568 106
Facebook: https://www.facebook.com/ministere.justice.tunisie
Botschaft von Tunesien / Ambassade de Tunisie
Kirchenfeldstrasse 63
3005 Bern
Fax: 031 351 04 45
E-Mail: at.berne@diplomatie.gov.tn
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Hintergrund
Am 13. Juli 2024 nahm die tunesische Polizei Ajmi Ourimi, Mohamed Ghannoudi und Mosaab Gharbi im Gouvernement Mannouba im Rahmen einer routinemässigen Personenkontrolle fest. Die drei Mitglieder der Partei Ennahdha waren privat unterwegs. Die Behörden behaupteten später, nach Mohamed Ghannoudi werde im Rahmen von Terrorermittlungen gefahndet, und leiteten gegen alle drei ein Verfahren wegen des Verdachts der «Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung» und der «Unterstützung einer Person, die der Beteiligung an terroristischen Handlungen verdächtigt wird» ein. Ajmi Ourimi, Mohamed Ghannoudi und Mosaab Gharbi befinden sich seit 14 Monaten in Untersuchungshaft – länger, als gesetzlich erlaubt ist. Die Behörden müssen sofort alle Anklagen gegen sie fallen lassen und sie freilassen, da ihre Festnahme ausschliesslich auf ihrer Zugehörigkeit zu einer politischen Gruppierung beruht.
Der Generalsekretär der Ennahdha, Ajmi Ourimi, sowie zwei weitere Mitglieder der Partei, Mohamed Ghannoudi und Mosaab Gharbi, befinden sich seit Juli 2024 in verlängerter Untersuchungshaft. Sie sind aufgrund von Vorwürfen im Zusammenhang mit Terrorismus inhaftiert, die nicht durch glaubwürdige Beweise gestützt werden und mit ihrer Zugehörigkeit zu einer politischen Gruppierung in Verbindung stehen. Da die Vorwürfe im Zusammenhang mit der Wahrnehmung ihrer Menschenrechte stehen, müssen sie freigelassen werden. Zudem wurde die nach tunesischem Recht geltende Höchstdauer der Untersuchungshaft von 14 Monaten überschritten, so dass sie auch aus diesem Grund aus der Haft entlassen werden müssen.
Nach mehrmonatigen Ermittlungen im Anschluss an ihre Festnahme im Juli 2024 wies das Gericht den Vorwurf der Bildung einer terroristischen Vereinigung aus Mangel an Beweisen zurück. Ajmi Ourimi und Mosaab Gharbi befinden sich jedoch weiterhin wegen Vorwürfen in Untersuchungshaft, die sich auf die beabsichtigte Gewährung von Unterschlupf und die unterlassene Meldung mutmasslicher «terroristischer» Aktivitäten beziehen. Es wurden keine Beweise für ihre Beteiligung an international als Straftaten anerkannten Handlungen gegen sie vorgebracht.
Ihre Inhaftierung ist im Rahmen der systematischen Strafverfolgung von Mitgliedern der Ennahdha-Partei seit der Auflösung des Parlaments im Jahr 2022 zu sehen. Diese stützt sich häufig auf Antiterrorgesetze und führt immer wieder zu Verletzungen des Rechtes auf ein faires Gerichtsverfahren. Die drei Männer befinden sich nun seit mehr als 14 Monaten ohne Gerichtsverfahren in Untersuchungshaft, was gegen die gesetzliche Höchstdauer in Tunesien sowie gegen das völkerrechtliche Prinzip verstösst, wonach eine Inhaftierung vor dem Verfahren eine Ausnahme bleiben sollte.
Die drei Männer wurden zunächst gemäss den Paragrafen 13, 34 und 37 des Organgesetzes Nr. 26 von 2015 zur Terrorismusbekämpfung (geändert durch Gesetz Nr. 9, 2019) sowie Paragraf 32 des tunesischen Strafgesetzbuches in Untersuchungshaft genommen. Diese Bestimmungen stellen die Bildung oder Beteiligung an einer mit terroristischen Aktivitäten in Verbindung stehenden Gruppe (Paragraf 13), die Beihilfe wie das Gewähren von Schutz, das Verstecken oder die Erleichterung der Flucht einer Person, die mutmasslich an terroristischen Straftaten beteiligt ist (Paragraf 34), die Unterlassung der Meldung von Informationen über terroristische Aktivitäten (Paragraf 37) und die Beihilfe zur Begehung einer Straftat (Paragraf 32) unter Strafe. Derartige Terrorismusvorwürfe werden häufig gegen Mitglieder der Ennahda-Partei erhoben.
Laut der Gerichtsakte befanden sich die drei Personen nach ihren Angaben aus privaten Gründen auf dem Weg aufs Land, als sie an einem Kontrollpunkt der Nationalgarde angehalten wurden. Bei der Überprüfung ihrer Identität teilten die Behörden mit, dass gegen Mohamed Ghannoudi ein Haftbefehl im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen Terrorismus vorliege. Alle drei wurden daraufhin wegen des Verdachts der Bildung oder Beteiligung an einer mit terroristischen Aktivitäten in Verbindung stehenden Gruppe und der Unterstützung von Personen, die der Beteiligung an terroristischen Handlungen verdächtigt werden, festgenommen.
Mohamed Ghannoudi gab an, weder benachrichtigt noch vorgeladen worden zu sein und keine Kenntnis von einem Haftbefehl gegen ihn gehabt zu haben. Mosaab Gharbi und Ajmi Ourimi bestritten, von einer Fahndung nach ihm gewusst oder ihm Unterschlupf gewährt zu haben, und gaben übereinstimmende Schilderungen ihrer vorherigen Aktivitäten ab. Die Staatsanwaltschaft konnte keine Beweise gegen sie vorlegen. Im Zuge der Ermittlungen befragte der*die Untersuchungsrichter*in die drei Personen zu ihrem Verhältnis zueinander, ihren politischen Aktivitäten, der Absicht, Mohamed Ghannoudi Unterschlupf zu gewähren, den Umständen ihrer Reisevorbereitungen sowie zu Telegram-Gruppen auf ihren Handys und Büchern, die bei den nach ihrer Festnahme durchgeführten Wohnungsdurchsuchungen gefunden wurden. Es wurden ihnen jedoch keine Beweise vorgelegt, die die Vorwürfe der Beteiligung an kriminellen Aktivitäten untermauert hätten.
Nach mehrmonatigen Ermittlungen stellte das Gericht das Verfahren wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung aus Mangel an Beweisen ein. Trotzdem wurden Mosaab Gharbi und Ajmi Ourimi wegen des Vorsatzes und vorbereitender Handlungen im Zusammenhang damit angeklagt, einer mutmasslich mit terroristischen Straftaten in Verbindung stehenden Person Unterschlupf gewährt, sie versteckt, ihre Flucht ermöglicht, ihre Entdeckung verhindert und von den Gewinnen ihrer Taten profitiert zu haben. Ausserdem wurde ihnen vorgeworfen, terroristische Aktivitäten nicht gemeldet zu haben. Mohamed Ghannoudi wurde in diesem Fall nicht angeklagt, da das Gericht davon ausging, dass gegen ihn bereits in einem separaten Verfahren wegen derselben Terrorismusvorwürfe ermittelt wurde.
Die tunesischen Behörden haben in den letzten Jahren zunehmend auf Antiterrorgesetze und Anklagen im Zusammenhang mit der staatlichen Sicherheit zurückgegriffen, um willkürlich Oppositionelle, darunter hochrangige Mitglieder der Ennahdha-Partei, strafrechtlich zu verfolgen und festzunehmen. Gerichte haben Massenprozesse auf der Grundlage unzureichender Beweise oder unbegründeter Anschuldigungen durchgeführt und damit wiederholt gegen das Recht auf ein faires Gerichtsverfahren verstossen.
Im April 2023, kurz nach der Festnahme des ehemaligen Ennahdha-Generalsekretärs Rached Ghannouchi, schlossen die Sicherheitskräfte alle Ennahdha-Parteibüros im ganzen Land. Mondher Ounissi, der Rached Ghannouchi als Parteivorsitzender ablöste, wurde einige Monate später, im September 2023, ebenfalls festgenommen und inhaftiert. Er wird in einem separaten Verfahren wegen Verschwörung angeklagt. Nach ihm übernahm Ajmi Ourimi im November 2023 das Amt des Generalsekretärs der Partei. Dieses weithin dokumentierte Muster einer gezielten Strafverfolgung von Ennahdha-Mitgliedern sowie die umfassenderen Repressionen gegen vermeintliche politische Gegner*innen in Tunesien deuten darauf hin, dass dieser Fall – wie andere auch – darauf abzielt, Mitglieder politischer Gruppen zu bestrafen, um deren politische Aktivitäten zu unterdrücken, abweichende Meinungsäusserungen zu unterbinden und den politischen Pluralismus einzuschränken.
In einer kürzlich veröffentlichten Stellungnahme zum Fall Rached Ghannouchi in Tunesien erinnerte die Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen für willkürliche Inhaftierungen daran, dass die Unabhängigkeit der Justiz eine unabdingbare Voraussetzung für das Recht auf ein faires Gerichtsverfahren ist, wie es in Artikel 10 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und Artikel 14 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte garantiert wird. Die Arbeitsgruppe äusserte sich zudem besonders besorgt angesichts zahlreicher Berichte, die auf eine Aushöhlung der richterlichen Unabhängigkeit in Tunesien seit 2021 hinweisen. Dadurch wird ein Umfeld geschaffen, in dem sich das Recht auf ein faires Gerichtsverfahren nicht angemessen schützen lässt.
Details
| UA-Nummer: Erscheinungsdatum | Aktualisiert am: Index: |
UA 042/26 30.04.2026 MDE 30/0942/2026 |
| Voraussichtlich mitmachen bis: | 30. Oktober 2026 |
| Ganze Urgent Action (Word): | deutsch english |
| Nur der Modellbrief (Word): | deutsch english |
Da sich eine Situation ändern kann, prüfen Sie bitte vor dem Versenden, ob die Briefaktion noch aktiv ist.
English version
Free arbitrarily detained members of the political opposition
On 13 July 2024, Tunisian police arrested Ennahdha party members Ajmi Ourimi, Mohamed Ghannoudi, and Mosaab Gharbi in the Mannouba governorate during a routine identity check while travelling for personal reasons. Authorities later alleged that Ghannoudi was wanted by the police in connection with a terrorism investigation and opened proceedings against all three on suspicion of «participating in a terrorist group» and «providing support to a person suspected of involvement in terrorist acts». They were referred to trial under Articles 13, 34 and 37 of the 2015 counterterrorism law and Article 32 of the Penal Code, provisions relating to participation in terrorist activities, providing assistance or shelter, failure to report alleged terrorism-related conduct and complicity. The three men have been in pretrial detention for 14 months, exceeding the legal limit. Authorities must immediately drop all charges against them and release them as their arrest stems solely from their political affiliation.
On 13 July 2024, police arrested opposition party Ennahdha Secretary-General Ajmi Ourimi in the Mannouba governorate, along with two other party members, Mohamed Ghannoudi and Mosaab Gharbi, during what appeared to be a routine identity check at a road control point.
The three men remained in pretrial detention since July 2024 without trial, exceeding the limit under Tunisia law of pre-trial detention of 14 months. Initially, they were placed in pretrial detention pending investigation under Articles 13, 34 and 37 of Organic Law No. 26 of 2015 on Counterterrorism (as amended by Law No. 9 of 2019), as well as Article 32 of the Tunisian Penal Code. These provisions criminalize the formation or participation in a group linked to terrorist activities (Article 13), the provision of assistance such as sheltering, concealing, or facilitating the escape of a person allegedly involved in terrorism-related offences (Article 34), the failure to report information related to terrorist activity (Article 37), and complicity in the commission of an offence (Article 32). The use of terrorism-related accusations is common in cases of Ennahda detainees.
According to the case file, the three individuals were travelling to the countryside for what they described as personal business when they were stopped at a National Guard checkpoint. Upon verification of their identities, the authorities indicated that Ghannoudi was subject to an arrest warrant in connection with a «terrorism»-related investigation. All three were subsequently arrested on suspicion of forming or participating in a group linked to «terrorist activities» and of providing support to individuals suspected of involvement in «terrorist acts».
Ghannoudi stated he was never notified or summoned to appear before investigative authorities and was unaware of any warrant against him. Gharbi and Ourimi denied knowing he was wanted or intending to shelter him, gave consistent accounts of their movements. The prosecution failed to provide any evidence to the contrary. During the investigation, the investigative judge questioned the three individuals about the nature of their relationship, their political activities, whether they had intended to provide Ghannoudi with shelter, the circumstances of their travel arrangements, as well as Telegram groups identified on their phones and books found in their homes that were searched after their arrests. However, they were not presented with any evidence substantiating the allegations of involvement in any criminal activity
After several months of investigation, the judge dismissed the charges relating to the formation of a terrorist group due to lack of evidence. Despite that, Ourimi and Gharbi were charged with intent accompanied by preparatory acts consisting of providing a place of shelter to a person allegedly linked to terrorist crimes, concealing him, facilitating his escape, preventing his detection, and benefiting from the proceeds of his actions, as well as failure to report terrorist activity. Ghannoudi was not charged in this case, as the judge considered that he was already under investigation for the same terrorism-related charges in a separate proceeding.
In recent years, the Tunisian authorities have increasingly relied on counterterrorism legislation and state security-related charges to arbitrarily prosecute and detain opposition figures, including senior members of the Ennahdha party leadership. Courts have conducted mass trials based on insufficient evidence or unfounded accusations, resulting in repeated violations of fair trial guarantees.
In April 2023, shortly after former Ennahdha secretary general Rached Ghannouchi’s arrest, security forces shut down all Ennahdha party offices across the country. Mondher Ounissi, who replaced Rached Ghannouchi as head of the party, was also arrested and detained a few months later, in September 2023, and is being prosecuted in a separate case on conspiracy-related charges. After him, Ajmi Ourimi assumed the position of Secretary-General of the party in November 2023. This documented pattern of targeting Ennahdha members, together with the broader repression of perceived political opponents in Tunisia, indicates that this case, like others, appears aimed at punishing members of political groups in order to silence their political activities, silence dissent and restrict political pluralism.
In a recent opinion concerning Tunisia in the case of Rached Ghannouchi, the United Nations Working Group on Arbitrary Detention recalled that judicial independence is a sine qua non condition for the right to a fair trial, as guaranteed under article 10 of the Universal Declaration of Human Rights and article 14 of the International Covenant on Civil and Political Rights (ICCPR). The Working Group further expressed particular concern regarding the numerous reports indicating an erosion of judicial independence in Tunisia since 2021, creating a context in which fair trial rights cannot be adequately protected.
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Please take action before 30 October 2026.
You'll find all necessary adddress- and social media information above. English model letter as a word-file.