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| Mitmachen bis 1. Dezember 2026 |
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Adressen
Président de la République
Kaïs Saïed
(Route de la Goulette, Site archéologique de Carthage, Tunisie)
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E-Mail: contact@carthage.tn
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Facebook: https://www.facebook.com/Presidence.tn/
Kopien an
Botschaft von Tunesien
Kirchenfeldstrasse 63
3005 Bern
Fax: 031 351 04 45
E-Mail: at.berne@diplomatie.gov.tn
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Hintergrund
Der Journalist Zied El Heni wurde in Tunesien zunächst willkürlich inhaftiert und dann ungerechtfertigt zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, weil er Ansichten geäussert hat, die unter das Recht auf freie Meinungsäusserung fallen. Am 7. Mai 2026 verurteilte ihn ein Gericht gemäss Paragraf 86 des Telekommunikationsgesetzes zu einem Jahr Gefängnis. Grundlage für die Anklage waren Äusserungen, die Zied El Heni während eines Universitätsseminars gemacht hatte und in denen er die Justiz für die Inhaftierung des Journalisten Khalifa Guesmi kritisierte. Diese Äusserungen veröffentlichte er später auf der Webseite und dem YouTube-Kanal seines unabhängigen Medienunternehmens Tunisian Press und teilte sie auch in den Sozialen Medien. Daraufhin wurde er am 24. April 2026 in Untersuchungshaft genommen. Seine Verurteilung und Inhaftierung beruhen lediglich auf der Wahrnehmung seines Rechts auf freie Meinungsäusserung. Am 26. Juni bestätigte das Berufungsgericht in Tunis das Urteil.
Paragraf 86 sieht eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren sowie eine Geldstrafe für jene vor, die öffentliche Telekommunikationsnetze vorsätzlich zur Störung oder Schädigung anderer einsetzen. Diese gesetzliche Bestimmung wurde 2001 unter dem ehemaligen Präsidenten Zine El Abidine Ben Ali angenommen. Sie wird seit Langem dazu genutzt, strafrechtlich gegen Personen vorzugehen, die im Internet friedlich ihre Meinung äussern. Amnesty International hat zahlreiche Fälle dokumentiert, in denen Journalist*innen, Blogger*innen und Aktivist*innen unter Paragraf 86 ungerechtfertigt verfolgt und willkürlich inhaftiert wurden, weil sie Staatsbedienstete oder staatliche Institutionen kritisiert hatten.
Die Inhaftierung von Journalist*innen wegen ihrer Ansichten oder Berichterstattung verstösst gegen die $Verpflichtungen Tunesiens gemäss internationaler Menschenrechtsnormen. Hierzu zählen der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte (Artikel 19) und die Afrikanische Charta der Menschenrechte und Rechte der Völker (Artikel 9), die beide das Recht auf freie Meinungsäusserung schützen. Die Afrikanische Kommission für Menschenrechte und Rechte der Völker hat wiederholt bekräftigt, dass die Verhängung von Freiheitsstrafen wegen Verleumdung und anderer Formen friedlicher Meinungsäusserung unverhältnismässig ist. Die Kommission hat die Staaten aufgefordert, Gesetze aufzuheben, die legitime journalistische Tätigkeit und Kritik an Staatsbediensteten unter Strafe stellen.
Der 62-jährige Zied El Heni ist ein in Tunesien bekannter Journalist und politischer Kommentator, der in einer morgendlichen Radioshow des unabhängigen Senders IFM auftritt. In den vergangenen Jahren wurde er wiederholt wegen kritischer Äusserungen über Regierungsangehörige und staatliche Institutionen strafrechtlich verfolgt. Er wurde am 28. Dezember 2023 von der Polizei vorgeladen, kurz nachdem er in einer Sendung die Handelsministerin kritisiert hatte. Noch am gleichen Tag ordnete die Generalstaatsanwaltschaft des erstinstanzlichen Gerichts in Tunis an, Zied El Heni unter Paragraf 24 des Gesetzeserlasses Nr. 54 («Bekämpfung von Straftaten im Zusammenhang mit Informations- und Kommunikationssystemen») in Gewahrsam zu nehmen. Das Gesetz kriminalisiert die Online-Verbreitung von vage definierten «falschen» Informationen, die als schädlich für Einzelpersonen oder das öffentliche Interesse betrachtet werden, und sieht dafür bis zu fünf Jahre Freiheitsentzug und erhebliche Geldstrafen vor. Später wurde Zied El Heni gemäss Paragraf 86 des Telekommunikationsgesetzes angeklagt und in Untersuchungshaft genommen. Am 10. Januar 2024 wurde er zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt und freigelassen.
Gegen Zied El Heni laufen zudem Ermittlungen in einem weiteren Verfahren in Verbindung mit seiner Rolle als Gemeinderat in Karthago, einem Vorort der Hauptstadt Tunis. Am 10. Juni 2026 ordnete ein Gericht an, Zied El Heni und vier weitere Personen bis zum Abschluss der Ermittlungen in Untersuchungshaft zu nehmen.
Am 13. April 2026 reichte Zied El Heni beim Verwaltungsgericht eine Klage gegen das Präsidentenamt ein. Er wollte erreichen, dass das Gericht Präsident Kais Saied anweist, das Verfassungsgericht einzurichten und den Obersten Justizrat sowie die Unabhängige Hohe Behörde für Audiovisuelle Kommunikation (HAICA) wieder zu aktivieren. Diese Institutionen spielen eine entscheidende Rolle für die verfassungsmässige Kontrolle, die richterliche Unabhängigkeit und den Schutz der Medienfreiheit in Tunesien.
Seit Präsident Kais Saied im Juli 2022 an die Macht kam, gehen die Behörden in Tunesien scharf gegen das Recht auf Meinungsfreiheit vor. Die Strafverfolgung von Zied El Heni verdeutlicht dies. Seither werden Rechtsanwält*innen, Journalist*innen, Blogger*innen und politische Aktivist*innen verhört, strafverfolgt und verurteilt, wenn ihre öffentlichen Äusserungen als Kritik an den Behörden aufgefasst werden. Grundlage sind u. a. der Gesetzerlass Nr. 54 und das Telekommunikationsgesetz. In den meisten Fällen haben Regierungsangehörige Anzeige erstattet. Zu den Betroffenen zählt die Anwältin Sonia Dahmani, die 18 Monate lang willkürlich inhaftiert war und gegen die mehrere Verfahren unter dem Gesetzeserlass Nr. 54 laufen. Die bekannten Journalisten Borhen Bsaies und Mourad Zeghidi wurden 2024 auf der Grundlage des Gesetzeserlasses zu einem Jahr Haft verurteilt und erhielten im Januar 2026 wegen Wirtschaftsdelikten weitere Gefängnisstrafen. Auch unabhängige Medien gerieten immer stärker unter Druck; so wurden im Mai 2024 Mitarbeitende der Sender IFM, Diwan FM und Carthage+ von den Justizbehörden befragt.
Der Gesetzeserlass Nr. 54 vom September 2022 enthält zweideutige und übermässig weit gefasste Bestimmungen zur Kriminalisierung der freien Meinungsäusserung. Besonders kritisiert werden die Bestimmungen über die Verbreitung «falscher Informationen». Derartige Einschränkungen sind unvereinbar mit den Verpflichtungen Tunesiens unter dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte und der Afrikanischen Charta der Menschenrechte und Rechte der Völker. Diese Verträge verlangen, dass jegliche Einschränkungen der Meinungsfreiheit den Grundsätzen der Rechtmässigkeit, Notwendigkeit und Verhältnismässigkeit genügen.
Details
| UA-Nummer: Erscheinungsdatum | Aktualisiert am: Index: |
UA 068/26 01.07.2026 | - MDE 30/1254/2026 |
| Voraussichtlich mitmachen bis: | 1. Dezember 2026 |
| Ganze Urgent Action (Word): | deutsch english |
| Nur der Modellbrief (Word): | deutsch english français |
Da sich eine Situation ändern kann, prüfen Sie bitte vor dem Versenden, ob die Briefaktion noch aktiv ist.
English version
Prominent journalist unjustly imprisoned
On 7 May 2026, the Tunis Court of First Instance sentenced prominent Tunisian journalist and political commentator Zied El Heni to one year in prison solely for exercising his right to freedom of expression. Arrested on 24 April 2026, he was held in pretrial detention before being convicted under Article 86 of the Telecommunications Code for comments criticizing a judicial decision. On 26 June 2026, the Tunis Court of Appeal upheld Zied El Heni's one-year prison sentence. His conviction is part of an escalating crackdown on journalists and other critical voices in Tunisia. The Tunisian authorities must immediately and unconditionally release him, quash his conviction, and end the use of criminal laws to punish people for exercising their right to freedom of expression.
Zied El-Heni, 62, is a prominent journalist and political commentator on a daily morning radio show on the independent station IFM. He has repeatedly faced prosecution in recent years for comments critical of public officials and state institutions. He was summoned by police on 28 December 2023, shortly after criticizing the Minister of Commerce’s performance on air. The same day, the General Prosecutor of the Tunis Court of First Instance ordered his detention under Article 24 of Decree-Law 54 on Combating Crimes Related to Information and Communication Systems, which criminalizes the online dissemination of broadly defined «false» information deemed harmful to individuals or public interests, prescribing penalties of up to five years in prison and substantial fines. He was subsequently charged under Article 86 of the Telecommunications Code and held in pretrial detention. On 10 January 2024, he was sentenced to a six-months suspended prison sentence and released.
In a separate case, Zied El Heni is also currently under investigation in connection with allegations relating to his role as a member of the municipal council in Carthage, a suburb of Tunis. On 10 June 2026, an investigating judge ordered the detention of five individuals, including Zied El Heni, pending investigations into the case.
On 13 April 2026, Zied El Heni filed a case before the Administrative Court against the Presidency of the Republic, requesting that the court order President Kais Saied to establish the Constitutional Court and reactivate the Supreme Judicial Council and the Independent High Authority for Audiovisual Communication (HAICA). These institutions play a crucial role in ensuring constitutional oversight, judicial independence and the protection of media freedom in Tunisia.
The prosecution of Zied El Heni is part of a broader crackdown on freedom of expression in Tunisia, since President Kais Saied’s power grab in July 2022. Lawyers, journalists, bloggers and political activists have been questioned, prosecuted or sentenced for public comments perceived as critical of the authorities, including on the basis of Decree-Law 2022-54 or the Telecommunications law and in most cases following governmental complaints. Among them is Sonia Dahmani, who spent 18 months in arbitrary detention and continues to face several prosecutions under Decree-Law 54. Prominent journalists Borhen Bsaies and Mourad Zeghidi were sentenced to one year in prison in 2024 under the same decree and, in January 2026, received additional prison sentences on financial charges. Independent media outlets have also faced increasing pressure, including the questioning of representatives of IFM, Di-wan FM and Carthage+ by judicial authorities in May 2024.
Decree-Law 54, adopted on 13 September 2022, has been widely criticized for criminalizing expression through ambiguous and overly broad provisions, notably those relating to the dissemination of «false information». Such restrictions are incompatible with Tunisia’s obligations under the International Covenant on Civil and Political Rights and the African Charter on Human and Peoples’ Rights, which require any limitations on freedom of expression to comply with the principles of legality, necessity and proportionality.
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Please take action before 1 December 2026.
You'll find all necessary adddress- and social media information above. English model letter as a Word-file.