Aktivist*innen feiern die Legalisierung der Abtreibung vor dem Kongresspalast in Buenos Aires, nachdem der Senat die historische Gesetzesänderung am 29. Dezember 2020 verabschiedet hat. © AI / Tomás Ramírez Labrousse
Aktivist*innen feiern die Legalisierung der Abtreibung vor dem Kongresspalast in Buenos Aires, nachdem der Senat die historische Gesetzesänderung am 29. Dezember 2020 verabschiedet hat. © AI / Tomás Ramírez Labrousse

Schwangerschaftsabbruch Das Recht auf eine selbstbestimmte Entscheidung und auf Entkriminalisierung – weltweit

15. Februar 2022
Jede Person, die schwanger werden kann, hat das Recht, selbst zu entscheiden, ob, wann und in welchen Abständen sie eine Schwangerschaft austragen möchte. Dies wurde bereits an der Uno-Weltbevölkerungskonferenz (Kairo-Konferenz) von 1994 auf internationaler Ebene so festgehalten. Einige Länder verfolgen aber weiterhin die Politik, Schwangerschaftsabbrüche zu kriminalisieren und den Zugang dazu einzuschränken oder zu verbieten – mit verheerenden menschenrechtlichen Konsequenzen.

Unsichere Schwangerschaftsabbrüche sind noch immer eine der häufigsten Todesursachen von Frauen und Mädchen. Weltweit sterben Schätzungen zufolge jedes Jahr rund 22'000 Schwangere an den Folgen eines unsicheren Schwangerschaftsabbruchs.

Amnesty International fordert alle Staaten dazu auf, den Schwangerschaftsabbruch nicht nur zu entkriminalisieren, sondern darüber hinaus den Zugang zu sicheren und legalen Schwangerschaftsabbrüchen zu gewährleisten. Dabei müssen die Rechte aller Frauen, Mädchen und Personen, die schwanger werden können, uneingeschränkt respektiert werden.
Fragen und Antworten zum Thema Schwangerschaftsabbruch und zur Haltung von Amnesty International.

Ein Schwangerschaftsabbruch muss unter sicheren, niederschwelligen und diskriminierungsfreien Bedingungen durchgeführt werden können. Die Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen dient dazu als erster Schritt: weder die schwangere Person noch die Person, die den Abbruch vornimmt, soll nach einem Schwangerschaftsabbruch strafrechtlich verfolgt werden. Wichtig sind zudem präventive Massnahmen: Jede schwangere Person muss zu Informationen über Sexualität und zu sicheren Methoden der Schwangerschaftsverhütung Zugang haben. Das Fehlen einer sicheren, rechtzeitigen, erschwinglichen und respektvollen Schwangerschaftsabbruchsversorgung ist ein grosses Problem der öffentlichen Gesundheit und der Menschenrechte.

Die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs bleibt eines der grossen Anliegen der Menschen, die sich weltweit für Geschlechtergerechtigkeit einsetzen. Konservative Gruppen und Regierungen streben immer wieder Gesetze an, die den Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen verbieten oder einschränken. Auch in der Schweiz kommt es immer wieder zu Diskussionen zum Schwangerschaftsabbruch. So wurde erst vor 20 Jahren die Fristenregelung auf zwölf Monate gesetzt.

Zur Entwicklung der Schwangerschaftsabbruchsdebatte in der Schweiz

Schwangerschaftsabbrüche auf internationaler Ebene

Auch weltweit ist die Thematik von hoher Aktualität: Die Stimmbevölkerung Irlands stimmte erst im Mai 2018 für die Aufhebung des Abtreibungsverbots; in El Salvador verbrachte Teodora del Carmen Vásquez wegen einer Fehlgeburt zehn Jahre im Gefängnis, weil ihr ein Schwangerschaftsabbruch unterstellt wurde. Und weiterhin sind Frauen in El Salvador nach Fehlgeburten hinter Gittern. In Argentinien wurde im Dezember 2020 nach jahrelanger Diskussion ein Gesetzesentwurf zur Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen bis zur 14. Schwangerschaftswoche angenommen. In der Slowakei wurde im September 2020 ein Gesetzentwurf, welcher den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen weiter einschränken soll und den Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen gefährdet, diskutiert. Und in Polen veröffentlichte das polnische Verfassungsgericht im Januar 2021 ein Urteil, das Schwangerschaftsabbrüche fast vollständig verbietet.

Auch während der Corona-Krise müssen die lange und hart erkämpften Fortschritte der sexuellen und reproduktiven Rechten geschützt werden. Einige Politiker*innen, welche gegen Schwangerschaftsabbrüche polarisieren, nutzen die Pandemie als Vorwand, um hart erkämpfte sexuelle und reproduktive Rechte wieder rückgängig zu machen. Dies war der Fall in den US-Bundesstaaten Texas und Ohio, wo extrem strenge Gesetze wieder in Kraft gesetzt wurden, so dass Schwangerschaftsabbrüche praktisch in jedem Fall unmöglich sind - . Auch in Polen wurde das Gesetz dahingehend verschärft, dass es de facto einem Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen gleichkommt.